Risikomanagement

Keine Angst vor Heuschrecken – Fusion als Chance

Heuschrecke ARISCO
„Heuschrecke, die“: Gemäss Duden hat dieser Begriff zwei Bedeutungen: Zum einen handelt es sich um ein „pflanzenfressendes Insekt“, zum anderen wird damit eine Person beschrieben, die „Heuschreckenkapitalismus betreibt“. Also eine „besonders von internationalen Finanzinvestoren betriebene, oft den Verlust von Arbeitsplätzen mit sich bringende Strategie, in Unternehmen zu investieren“, so der Duden. Dabei steht eine Gewinnmaximierung für den Investor im Vordergrund. Dass solche Aktivitäten zwar legitim sind, aber stets mit Reibungsverlusten einhergehen, zeigt sich spätestens bei einer möglichen Unternehmensübernahme, einer Wettbewerberfusion oder dem Verkauf von Betriebsvermögen. Ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor – auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Nun muss eine Unternehmensübernahme nicht zwingend schlecht sein. Gut durchdacht, mit Plan und Ziel, können beide Parteien von einer solchen Übernahme profitieren. Denn neben frischem Kapital und einer Restrukturierung der Organisation bietet ein wohlüberlegter Schritt zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten und damit Chancen.

Rekordjahr bei Fusionen und Übernahmen

Nicht umsonst schreibt das Schweizer KMU-Portal für kleine und mittlere Unternehmen von einem Rekordjahr bei Fusionen und Übernahmen 2021. „Die Zahl der Fusionen und Übernahmen (M&A) hat sich im vergangenen Jahr nahezu verdoppelt. Das Volumen dieser Transaktionen erreicht sogar beinahe den dreifachen Wert gegenüber der Vergangenheit: Es erhöhte sich von rund CHF 58,2 Milliarden auf CHF 157,2 Milliarden.“ Ein Grund liegt nach Angaben des KMU-Portals vor allem in der raschen Digitalisierung der Schweizer Wirtschaft, was die Transaktionen in der TMT-Branche (Technologie, Medien und Telekommunikation) beflügelt hat. Gesamtvolumen in diesem Sektor: rund CHF 18,5 Milliarden. Ein weiterer Treiber dürfte das tiefe Zinsniveau sein.

Von der komplexen Angelegenheit zum klaren Lagebild

Übernahmen und Fusionen sind eine komplexe Angelegenheit, die viel Erfahrung und Weitsicht der handelnden Personen erfordern. Andernfalls drohen massive Geschäfts- und Finanzrisiken bis hin zur Insolvenz und Zerschlagung des jeweiligen Unternehmens. Wie es nicht gehen sollte, das verdeutlicht die geplatzte Fusion des Schweizer Telekommunikationsunternehmens Sunrise mit dem Kabelnetzbetreiber UPC im Jahr 2019. Mittlerweile firmieren beiden Unternehmen zwar unter dem Namen Sunrise UPC LLC, aber der Finanz- und Reputationsschaden dürfte im Zuge der zunächst gescheiterten Fusion erheblich gewesen sein. Und die Praxis liefert uns viele weitere Beispiele – sowohl aus der Konzern- als auch aus der KMU-Welt.

Um solche Verwerfungen zu verhindern, gilt es, eine genaue Prüfung des zu kaufenden Unternehmens (Due Diligence) durchzuführen. Dadurch entsteht ein klares Lagebild zum Unternehmen, inklusive möglicher Risiken und Chancen. Und das hinsichtlich betrieblicher, finanzieller, aber auch rechtlicher Aspekte. Im Zuge dessen gilt es, auch Markt- und Konkurrenzanalysen durchzuführen sowie die Organisationsstruktur und -situation genau zu durchleuchten. Das fängt bei der Eigenkapitalquote an und hört bei Verbindlichkeiten, möglichen Lieferschwierigkeiten – auch von Zulieferern – dem Thema Nachhaltigkeit sowie der Mitarbeiterstruktur noch nicht auf. Mit Blick auf die eigene Personalstruktur können fehlende Fachkräfte, eine hohe Mitarbeiterfluktuation oder der Abgang von Topmanagern ein Anzeichen für eine mangelnde Unternehmenskultur sein. Von daher ist es wichtig, auch diese „schwachen Signale“ im Rahmen einer strategischen Früherkennung in den Gesamtrisikomanagementprozess zu integrieren, um eine Gesamtlage des Unternehmens zu erhalten – gerade mit Blick auf die oft unterschätzte Organisationskultur.

Der Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Harry Igor Ansoff hatte bereits im vergangenen Jahrhundert nachgewiesen, dass tiefgreifende Umbrüche (etwa im ökonomischen, sozialen und politischen Bereich) nicht zufällig ablaufen, sondern sich lange im Voraus durch schwache Signale („weak signals“) ankündigen. Diese sind vergleichbar mit den seismischen Vorboten eines zukünftigen Erdbebens. Wer diese Signale auf dem Radar hat und sie richtig deuten kann, ist im Vorteil: Er bereitet sich auf die Zukunft vor und lernt aus der Zukunft. Aus der Vergangenheit kann jeder lernen. Heute kommt es darauf an, aus der Zukunft zu lernen, so die Quintessenz des US-amerikanischen Strategen und Zukunftsforschers Herman Kahn. Das Erkennen „schwacher Signale“ zählt zu den Königsdisziplinen eines präventiven Risikomanagements. Existiert kein angemessenes Frühwarnsystem oder werden „schwache Signale“ nicht ernstgenommen, endet dies nicht selten in einer Unternehmenskrise oder in der Insolvenz.

Transparenz, Perspektiven und externe Sparringspartner

Apropos Kultur. Steht eine Übernahme oder Fusion an, ist es für beide Organisationen unerlässlich, alle Mitarbeitenden frühzeitig in den Veränderungsprozess einzubinden. Hierzu gehören regelmässige Personalinformationen, Gespräche mit allen Abteilungen, aber auch Workshops. Hintergrund ist nicht zuletzt das sensible Zusammenführen zweier Organisationen mit ihren jeweiligen Einheiten und Strukturen. Ein Prozess, den nicht nur grosse Unternehmen stemmen müssen, sondern auch kleinere und mittelständische Firmen. Denn am Ende geht es auch um Transparenz und Perspektiven für alle Mitarbeitenden – mit allen Einschnitten und teilweise schmerzlichen Veränderungen. Diesem Thema sollte sich auch die Führungsetage stellen, um ein positives Signal an die kompletten Belegschaften beider Organisationen zu senden.

Ein solcher Weg ist kleinteilig, steinig und erfordert die notwendigen Risikomanagementexperten, aber auch zeitliche Ressourcen und Geld. Nicht selten sind externe Sparringspartner erforderlich, um den wichtigen Blick sowie neue Ideen und Impulse von aussen zu bekommen und mögliche Fallstricke im Vorfeld zu umgehen. Deren Expertise kann einen Findungsprozess befruchten und das „Wir-Gefühl“ fördern. Dabei ist es wichtig, dass die eingeleiteten Schritte regelmässig überwacht und nachjustiert werden, individuell umgesetzt und stets mit einer Chancensicht verknüpft.

ARISCO begleitet Unternehmen mit einem systematischen Risikomanagement bei Veränderungsprozessen. Dabei reichen die Massnahmen von fundierten Analysen über die persönliche Beratung bis zu effizienten Lösungen im Sinne der Gesamtorganisation. Hierzu gehört auch der kontinuierliche Dialog mit Kunden und Partnern, um von der Risiko- zur Chancensicht zu gelangen und letztendlich nachhaltige Prozesse zu initiieren.

Dass die Nachhaltigkeit im Wirtschaftsleben eine immer grössere Bedeutung gewinnt, das symbolisiert nicht zuletzt das Zebra. Mehr zu Zebras und einem wirksamen Risikomanagement erfahren Sie in unserem kommenden Beitrag.

Links:

Schweizer KMU-Portal, NZZ

Ihre Ansprechperson:

Robert Ebel

Robert Ebel

Partner / Marktgebietsleiter / International Desk Manager

Executive MBA (UZH)

CAS in Insurance Broking

+41 41 545 68 70

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robert.ebel@arisco.ch

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